Besser umgehen mit Stress im Alltag

Wer kennt das nicht? Man eilt von Termin zu Termin, erledigt schnell noch etwas nebenbei, ist für andere da, macht alles möglich, funktioniert – und bleibt dabei häufig selbst auf der Strecke. Herausforderungen wie diese ermüden und machen auf Dauer sogar krank. Auch Wanda Pauls war häufig gefangen im sich fortwährend drehenden Gedankenkarussel. Als berufstätige Mutter von drei Söhnen war sie auf der Suche nach Entspannung. Sie versuchte es mit geführter Meditation und Yoga, um etwas Impulsivität aus dem Alltag zu bekommen. „Beides hat mir zwar gutgetan, aber ich wollte einen Weg finden, mit dem ich dem Stress des Alltags dauerhaft resilienter gegenüberstehen kann“, erinnert sie sich. Sie stieß auf die Achtsamkeitslehre und wollte mehr darüber wissen. Neben ihrem Job als Verwaltungsfachwirtin ließ sie sich zur zertifizierten Achtsamkeitstrainerin ausbilden. „Das ist mein Herzensthema, deshalb möchte ich das auch gerne teilen.“

„Achtsamkeit ist eine besondere Art der Aufmerksamkeit, die auf der buddhistischen Lehre basiert“, erklärt Wanda Pauls. „Es geht primär darum, den gegenwärtigen Moment wahrzunehmen, dem zu begegnen, was gerade da ist – ohne Bewertung und ohne den Anspruch, es ändern zu wollen.“ Dazu gehören Gedanken, Gefühle und körperliche Empfindungen – positive, wie negative. Ziel ist es, Klarheit zu gewinnen und einen achtsameren Umgang mit sich selbst und anderen zu fördern. „Langfristig führt das zur Stressreduktion“, ergänzt sie. Durch Achtsamkeit sollen wir lernen, Stress zu reduzieren, ohne Stress zu reduzieren – denn sind wir mal ehrlich: Häufig haben wir auf unser Stresslevel überhaupt keinen Einfluss. „Aber wir können lernen, mit ihm umzugehen und anders auf ihn zu reagieren. Das haben wir nämlich sehr wohl in der Hand. Sich der eigenen Grenzen bewusst zu sein und stressauslösende Mechanismen zu erkennen, steigert unsere Resilienz.“ Und weil man diese Mechanismen am besten verstehen kann, wenn man sie spürt, lädt die Silberstedterin zum gemeinsamen Achtsamkeitstraining in den Treianer Staudenhof ein. In einer kleinen Gruppe möchte sie Impulse geben und die Teilnehmer in praktischen Einheiten anleiten. „Wir werden immer mit einer geführten Körperreise beginnen, bei der die Aufmerksamkeit in Ruhe und wertfrei durch den gesamten Körper gelenkt wird.“ Diese Form der Meditation ist typisch für die Achtsamkeitslehre. Außerdem wird es in einem ausgewogenen Verhältnis auch Hintergrundinformationen zu Themen wie dem Nervensystem oder dem Zusammenhang von Gedanken, Emotionen und Körperempfindungen geben. „Bei unserem ersten Termin werde ich darauf eingehen, was Achtsamkeit überhaupt ist, woher sie kommt und was sie bewirken kann.“ Am Ende gibt es noch eine kleine Übung für zu hause. „Wir neigen dazu, in Stresssituationen, oder wenn wir in Gedanken sind, das Atmen zu vergessen, oder sehr flach zu atmen. Eine Übung zum Mitnehmen wäre beispielsweise, das eigene Atmen zu beobachten, etwa während man wartet.“

Alles darf da sein – jede Emotion, jede Empfindung und auch jede Bewertung. Wichtig ist, diese Bewertungen auch zu erkennen. „Mit der Zeit lernt man, die Mechanismen des eigenen Geistes zu erforschen – eine Haltung, die Neugier und Verständnis für das eigene Erleben fördert“, resümiert Wanda Pauls. „Die Bedeutung von Achtsamkeit und wie sehr sie im Alltag helfen kann, mal innezuhalten, das möchte ich gerne weitergeben – darauf freue ich mich!“ 

SOS-Tipps für den Alltag

  1. Bienenatmung 
    Wenn der Kopf voll ist und sich das Gedankenkarussell dreht: Die Ohrläppchen mit den Daumen auf die Ohren drücken. Die übrigen Finger auf den Kopf legen. 2 – 3 Minuten tief einatmen und atmen und beim Ausatmen summen. 
  2. Bewusst wahrnehmen
    Einen Tag lang auf Bewertungen achten. Ein Gummiband um ein Handgelenk legen und es jedes Mal zum anderen Handgelenk wechseln, wenn man merkt, dass man etwas oder jemanden bewertet hat.
  3. Atmen
    4 Sekunden einatmen, 8 Sekunden ausatmen. 
  4. Klopfen
    Schnelle Beruhigung: Mit Zeige- und Mittelfinger auf den Scheitel klopfen. So kommt man schnell aus den Gedanken heraus.
  5. Spazierengehen 
    Dabei mit allen Sinnen wahrnehme: Was sehe ich? Was rieche ich? was fühle ich?
  6. Zwischen Alltag und Stille
    Deine Insel der Achtsamkeit
    Jeden Dritten Donnerstag; 17:00 – 18:30 Uhr.
  7. Die Teilnahme ist kostenlos. Spenden für die ehrenamtliche Arbeit des Staudenhof Kulturgartens sind aber willkommen.
  8. Anmeldung unter 04626 8859242
    Staudenhof Kulturgarten
    Geilwanger Straße 27
    24896 Treia

 

Beitrag veröffentlicht von:
Claudia Kleimann-Balke